Bericht über meine Erfahrungen mit dem Clickertraining und was man sich gemeinsam mit dem Führhund erarbeiten kann.
(geschrieben von Conny im Jahr 2007, überarbeitet 2010)
Mein Name ist Conny, ich bin blind und habe einen zehnjährigen Langhaarcollie namens Krischan, der als Blindenführhund arbeitet.
Als anspruchsvoller Hund benötigt Krischan viel Aufmerksamkeit und Beschäftigung über das Führen hinaus. Auf der Suche nach einer geeigneten Beschäftigung, die uns beiden Spaß machen sollte, stieß ich vor fünfeinhalb Jahren auf das Clickertraining. Ich nahm als Gast an einem Seminar teil und habe es anschließend selbst ausprobiert.
Clickertraining - was steckt genau dahinter?
Dem Hund beizubringen was das Clickgeräusch bedeutet ist klassische Konditionierung nach Pawlow. Der russische Verhaltensforscher ließ immer, kurz bevor er die Hunde fütterte einen Glockenton erklingen. Nach einigen Wiederholungen wussten die Hunde, dass dieser Ton Futter ankündigte. Pawlow beobachtete, dass sie schon beim Erklingen des Glockentons in Erwartung des Futters anfingen zu speicheln. Sie hatten also einen Zusammenhang zwischen dem Geräusch und dem Futter hergestellt. Der erste Schritt beim Clickertraining ist, den Hund mit kleinen Futterstückchen auf das Clickgeräusch zu konditionieren. In der Hundeausbildung wird dafür der Clicker verwendet, ein kleines Plastikkästchen, das ein ähnliches Geräusch wie ein Spielzeugknackfrosch macht. Alternativ ist es auch möglich ein Zungenschnalzen zu verwenden. Bei der Konditionierung auf das Click-geräusch lernt der Hund, dass ein Click eine Belohnung, (z.B. ein Leckerchen oder etwas anderes was er mag), ankündigt. Im nächsten Schritt lernt er, Verhalten anzubieten, damit es clickt. Wenn er verstanden hat, dass es mit seinem Verhalten zusammenhängt, dass sein Mensch den Clicker betätigt, wird er sich Mühe geben sich so zu verhalten, dass es Click macht und er eine Belohnung bekommt. Der Click ist ein Brückensignal zwischen dem erwünschten Verhalten und der darauffolgenden Belohnung. Ich clicke genau in dem Moment, wenn der Hund ein richtiges Verhalten zeigt, und kurz danach bekommt er seine Belohnung. Er lernt selbst aktiv und kreativ zu werden und herauszufinden, welche seiner Verhaltensweisen erwünscht sind. Dabei unterstütze ich ihn, indem ich eine Übung in so kleine Schritte zerlege, dass er sie gut bewältigen kann. Wenn er die Übung verstanden hat, führe ich ein Hörzeichen ein und bestärke variabel, d.h. ich clicke nicht mehr für jede Ausführung, sondern lobe ihn, wenn er die Übung macht. So bleibt es für ihn interessant, weil er nicht mehr weiß wann es clickt.
Als ich nach dem Seminar anfing zusammen mit Krischan das gelernte im Alltag umzusetzen, fiel mir auf, dass ich Schwierigkeiten im Freilauf sehr gut mit Hilfe des Clickertrainings lösen konnte. Dabei bemerkte ich ebenfalls, wie aufmerksam Krischan auf meine Signale reagierte, um einen Click zu bekommen.
Trotzdem hatte ich große Bedenken Fehler zu machen und traute mir auch nicht zu den Clicker während der Führarbeit einzusetzen. Ich bekam immer wieder zu hören, dass ich als blinder Mensch nicht clickern kann, da ich ja nicht sehe, was mein Hund gerade macht und deshalb den richtigen Zeitpunkt zum clicken verpassen würde. Erst als ich Krischan mit Hilfe eines Hundetrainers nachschulte, entdeckte ich, wie vielfältig ich den Clicker einsetzen kann.
Wenn es nötig war, sagte mir der Trainer, was mein Hund gerade macht und welche Körpersprache er hat. Es war mir sehr wichtig Krischan´s Verhaltensweisen immer besser einschätzen zu können um erfolgreich und selbständig mit ihm zu arbeiten, und wir trainierten auch außerhalb der Unterrichtsstunden, was uns beiden Spaß machte. Ich entwarf einen Trainingsplan um Krischan die Angst vor glatten Fußböden und Aufzügen zu nehmen, (er hatte sich einige Wochen zuvor eine Zerrung zugezogen, die aber schon verheilt war). Krischan hatte aber verknüpft, dass es gefährlich ist, über solche Fußböden zu laufen. Ich lernte beim Training ihm die Sicherheit zu geben, die er brauchte. Nach anfänglichen Bedenken begann ich den Clicker im Training einzusetzen. Das hatte mir der Trainer vorgeschlagen, da er der Ansicht war, dass es eine sehr positive Auswirkung auf das weitere Training hat, und er hatte recht damit!
Ich konnte mit Krischan in sehr kleinen Schritten arbeiten. Wenn er auf den Eingang eines Kaufhauses zu lief, bekam er dafür schon einen Click und ein Leckerchen. Dann für das Anzeigen des Eingangs und schließlich dafür, dass er eine Pfote auf den glatten Fußboden setzte. Im nächsten Schritt ließ ich ihn dann ein kleines Stück in das Kaufhaus hineinlaufen, und mit der Zeit konnte er immer längere Strecken auf glatten Böden laufen und hatte Spaß dabei. Beim Aufzugtraining machte ich es ähnlich, und auch hier wurde er immer sicherer. Er bekam für das darauf zugehen und später für das Anzeigen des Aufzugs Click und Leckerchen und im dritten Schritt, wenn er eine Pfote über die Türschwelle setzte. Die Türschwelle des Aufzugs war für ihn eine große Hürde, weil er einmal in der Führungsschiene der Tür mit der Pfote hängen geblieben war und deshalb keine Aufzüge mehr betreten wollte.
Für mich war es anfangs nicht einfach auf alles mögliche gleichzeitig zu achten, mitbekommen was Krischan macht, im richtigen Moment clicken, aufzupassen, dass die Aufzugtür offen blieb und den Leuten, die mir helfen wollten zu erklären, dass ich im Moment keine Hilfe brauchte.
Ich selbst bin vom Clickertraining überzeugt, weil ich damit die Möglichkeit habe, erwünschtes Verhalten im richtigen Moment zu bestärken. Über den Bügel des Führgeschirrs kann ich sehr viel mitbekommen, und beim Spaziergang trägt er ein Glöckchen am Halsband, so dass ich hören kann, wo er ist und was er macht.
Wenn ich etwas Neues trainiere, überlege ich mir vorher einen Weg, wie ich zum gewünschten Ziel kommen und möglichst viele Verhaltensweisen mitbekommen kann, und ich bin begeistert, wie freudig und kreativ Krischan mit mir zusammen-arbeitet.
Was mich auch überzeugt: Clickertraining ist eine Ausbildungsmethode, die ohne schimpfen oder anschreien des Hundes und ohne körperliche Strafen wie Leinenruck etc. auskommt.
Ich bestärke mit dem Clicker erwünschte Verhaltensweisen meines Hundes. Wenn Krischan unerwünschtes Verhalten zeigt, verhalte ich mich so, dass es ihm keinen Erfolg bringt, (wenn er mich z.B. anbellt oder anspringt, weil er sein Spielzeug schneller haben möchte, stecke ich es erstmal wieder in die Tasche), oder verhindere, dass er das Verhalten überhaupt zeigen kann.
Und ganz wichtig! Ich bringe Krischan ein Alternativ-Verhalten bei, das sich nicht mit dem unerwünschten Verhalten kombinieren lässt.
Wenn wir zusammen in der Stadt unterwegs sind, wird Krischan häufig von Passanten gestört. Das passiert z.B. während wir beim Einkaufen an der Kasse stehen, oder auch, wenn wir eine Straße entlang laufen. Ich habe ihm mit Hilfe des Clickertrainings beigebracht, sich von der ihn ablenkenden Person wegzudrehen und mir bescheid zu sagen, dass da jemand ist. Im ersten Schritt hat er gelernt meine Hand mit der Nase zu berühren, dafür habe ich ihm dann ein Hörzeichen beigebracht, und danach lernte er sich von verschiedenen Ablenkungen, die ich langsam gesteigert habe, abzuwenden. Wenn er im Führgeschirr angesprochen wird muss ich häufig gar kein Hörzeichen mehr geben, sondern die Leute, die ihn ansprechen sind zum Signal geworden sich mir zuzuwenden.
Um es ihm in einigen Situationen leichter zu machen, darf er z.B. während wir an der Kasse stehen einen Gegenstand in der Schnauze tragen.
Beim Laufen im Führgeschirr ignoriert er meistens die Person und läuft schwanz-wedelnd an ihr vorbei. Er hat gelernt, dass sich das Vorbeilaufen lohnt, weil er dafür Click und Leckerchen bekommt, oder er als Belohnung nach dem Click die Person begrüßen darf.
Oft dreht Krischan bei einer Ablenkung den Kopf kurz zu mir oder berührt meine Hand mit der Nase und zeigt mir damit an, dass da etwas ist. Sobald ich ihm gesagt habe, dass ich es auch mitbekommen habe, läuft er weiter. Krischan hat mit Hilfe des Clickertrainings gelernt, mir verschiedene Regale im Supermarkt anzuzeigen. Ich setze den Clicker auch sehr häufig außerhalb der Führarbeit ein, um erwünschtes Verhalten im Freilauf zu bestärken und mich kreativ und mit viel Spaß mit ihm zu beschäftigen. Wir üben z.B. das Unterscheiden verschiedener Gegenstände oder machen Spiele, wo ich ein oder mehrere Gegenstände verstecke, die er dann sucht und mir bringt. Wir trainieren auch das Anzeigen und Bringen von Fressbarem. Früher hat Krischan sowohl im Führgeschirr als auch im Freilauf gefressen. Im Freilauf oder an der Leine passiert das heute auch noch, aber nicht mehr so häufig. Ich trainiere diese Dinge regelmäßig, weil es manchmal vorkommt, dass Passanten ihm Futter anbieten oder Fressbares irgendwo herumliegt.
Zuerst habe ich mit Krischan trainiert, dass er mir große, harte Hundekekse, die nicht gleich im Hundemagen verschwinden konnten, in die Hand gab. Mit der Zeit haben wir mit immer kleineren Keksen geübt. Zur Belohnung nach dem Click gab es dann entweder den Keks, den er mir gegeben hat, oder eine qualitativ bessere Belohnung, wie z.B. ein Stück Käse. Dann mache ich noch Übungen, bei denen ich Futter auf den Boden werfe, Krischan aber sage, dass er es liegen lassen soll. Das finde ich nützlich, wenn ich merke, dass er etwas vom Boden aufnehmen möchte.
Vor einiger Zeit hat er mir beim Führen ein auf dem Bürgersteig liegendes Brötchen oder Kuchenstück in einer Tüte durch Kratzen mit der Pfote angezeigt und ist dann daran vorbeigelaufen, was ich natürlich belohnt habe.
Beim Spaziergang hat er sich vor kurzem von einer Person die ihm ein Leckerchen angeboten hat weggedreht und ist zu mir gelaufen. Das habe ich mitbekommen, weil sie sich gewundert und mich gefragt hat, warum mein Hund das Leckerchen nicht nehmen würde.
Im Unterschied zur traditionellen Ausbildung lernt der Hund sich freiwillig weg-zudrehen, das Futter anzuzeigen, zu bringen oder auf ein Signal hin liegen zu lassen.
Das Liegenlassen währe natürlich am besten, ist aber nicht immer möglich wenn man nichts sieht und der Hund schon etwas aufgenommen hat. Bevor er es genüß-lich in weiter Entfernung von mir frißt, ist es von Vorteil, wenn er gelernt hat es zu bringen.
Wer neugierig geworden ist, dem empfehle ich folgende Bücher und Videos / DVD´s:
Bücher:
Birgit Laser: Clickertraining
Birgit Laser: Clickertraining für den Familienhund
Nina Miodragovic: "So denkt Ihr Hund mit Der neue Weg zu Freude und Präzision im Hundesport"
Martin Pietralla: Clickertraining für Hunde
Videos / DVD´s:
Birgit Laser: Clickertraining
Birgit Laser: Clickertraining für den Familienhund
Denise Nardelli ( "Der Trick mit dem Klick"
Sie haben auch die möglichkeit, sich von mir persönlich bei .....(zurzeit keine Beratung)
beraten zu lassen. Dort biete ich Tierkommunikation und Erziehungsberatung für Haustiere an. Alles zur Kundenregistrierung und weitere Informationen finden Sie unter ............. unter dem Link "Kundeninformationen"
Ich freue mich auf Ihren Anruf
Ihre Conny
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